Warum Unternehmensnachfolge jetzt neu gedacht werden muss

186.000 Unternehmen suchen bis 2030 einen Nachfolger. Fast 40 % der Inhaber über 70 haben noch keinen Plan. Wer zu spät anfängt, verkauft unter Wert oder verliert Optionen. Der richtige Moment, sich damit zu beschäftigen, ist jetzt.

Warum Unternehmensnachfolge jetzt neu gedacht werden muss
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Sie haben Ihr Unternehmen über Jahrzehnte aufgebaut. Jetzt stehen Sie vor einer Frage, die viele Unternehmer vor sich herschieben: Was passiert danach?

Es beginnt meist mit einem leisen Gedanken

Vielleicht war es nach einem langen Arbeitstag. Oder beim Blick auf die Geburtstagskerzen. Der Gedanke kam und ging wieder: Wer führt das hier eigentlich weiter, wenn ich nicht mehr will? Oder nicht mehr kann?

Sie sind nicht allein mit diesem Gedanken. Im Gegenteil: Sie gehören zu einer Generation von Unternehmern, die Deutschland gerade vor eine seiner größten wirtschaftlichen Herausforderungen stellt.

Rund 186.000 Unternehmen in Deutschland brauchen bis 2030 eine Nachfolgelösung. Das sind nicht abstrakte Zahlen aus einer Statistik. Das sind Betriebe wie Ihrer. Produktionshallen mit Maschinen, die seit Jahren laufen. Büros, in denen Mitarbeiter Karrieren aufgebaut haben. Kundenbeziehungen, die über Generationen gewachsen sind.

Die Zahlen, die niemand gerne hört

Auf jeden Interessenten, der ein Unternehmen übernehmen möchte, kommen heute mehr als zwei Betriebe, die einen Nachfolger suchen. Der Markt hat sich gedreht, und zwar fundamental. Wer vor zwanzig Jahren ein solides Unternehmen hatte, konnte davon ausgehen, dass sich schon jemand findet. Diese Zeiten sind vorbei. Der Nachfolgemarkt ist heute ein Käufermarkt. Wer kaufen will, hat die Wahl. Wer verkaufen will, muss überzeugen.

Noch beunruhigender: Fast 40 Prozent der Unternehmer über 70 haben noch keinen konkreten Nachfolgeplan. Das bedeutet: Viele von Ihnen lesen diese Zeilen, obwohl die Zeit bereits drängt.

Und wenn es dann eng wird? Jede zehnte Übergabe endet als Notverkauf. Unter Zeitdruck, unter Wert, oft mit bitteren Kompromissen. Nicht weil das Unternehmen schlecht war. Sondern weil die Zeit fehlte, es richtig zu machen.

Warum gute Unternehmer dieses Thema aufschieben

Sie haben in Ihrem Leben wahrscheinlich hunderte schwierige Entscheidungen getroffen. Investitionen in unsicheren Zeiten. Personalentscheidungen, die Sie Nächte gekostet haben. Verhandlungen, bei denen alles auf dem Spiel stand.

Warum fällt ausgerechnet diese Entscheidung so schwer?

Weil Nachfolge nicht nur ein betriebswirtschaftliches Thema ist. Sie berührt Identität: Was bin ich noch, wenn ich nicht mehr der Chef bin? Sie berührt Kontrolle: Kann ein anderer das überhaupt so gut wie ich? Und sie berührt etwas, über das Unternehmer ungern sprechen: die eigene Endlichkeit.

„Ich bin noch fit. Das hat noch Zeit. Darum kümmere ich mich nächstes Jahr."

Diese Sätze klingen vernünftig. Und sind doch der Beginn eines Problems, das mit jedem Jahr größer wird.

Dieser Aufschub hat einen Preis. Warum Zeitmangel das eigentliche Wertproblem ist.

Die gefährlichste Form des Aufschiebens

Es gibt eine Variante, die besonders tückisch ist. Weil sie vernünftig klingt.

„Ich will das Unternehmen erst noch auf ein neues Level bringen. Zwei, drei Jahre konzentriertes Wachstum. Strukturen stärken. Dann übergebe ich aus einer Position der Stärke."

Das klingt nicht nach Aufschieben. Das klingt nach Strategie. Nach unternehmerischem Denken.

Aber fragen Sie sich ehrlich: Läuft parallel dazu ein konkreter Nachfolgeplan? Gibt es einen Zeitrahmen mit Meilensteinen? Oder ist „noch zwei, drei Jahre" eine Zahl, die sich seit Jahren nicht verändert hat?

In den meisten Fällen ist dieses Denken keine Strategie. Es ist Verdrängung in unternehmerischer Verkleidung.

Der „richtige Moment" kommt selten von allein. Das Unternehmen ist nie perfekt genug. Der Markt nie stabil genug. Die Kinder nie bereit genug. Und so vergehen Jahre. Nicht mit Vorbereitung, sondern mit Warten auf Bedingungen, die nie eintreten.

Wer mit 62 sagt „in zwei Jahren", sagt es oft auch mit 65. Und mit 68. Bis die Entscheidung von außen erzwungen wird: durch Krankheit, durch Erschöpfung, durch einen Markt, der nicht mehr wartet.

Die Rechnung, die nicht aufgeht

Eine geordnete Nachfolge dauert typischerweise fünf bis zehn Jahre. Nicht Monate. Jahre.

In dieser Zeit passiert viel: Sie entwickeln das Geschäftsmodell weiter, damit es auch ohne Sie funktioniert. Sie klären steuerliche und rechtliche Strukturen. Sie bauen interne Nachfolger auf oder suchen externe. Sie verhandeln, prüfen, verwerfen, beginnen neu.

Wer mit 60 anfängt, hat Spielraum. Wer mit 65 beginnt, arbeitet bereits unter Druck. Und wer mit 70 aufwacht und merkt, dass das Thema nicht verschwunden ist, der hat oft nur noch schlechte Optionen.

Zeit ist der größte Hebel, den Sie haben. Und er ist der einzige, der jeden Tag kleiner wird.

Warum „der Markt" nicht mehr funktioniert wie früher

Früher galt ein unausgesprochenes Gesetz: Ein gutes Unternehmen findet seinen Nachfolger. Die Kinder übernehmen, ein langjähriger Mitarbeiter steigt auf, oder jemand aus der Branche meldet Interesse.

Diese Zeiten sind vorbei.

Die familieninterne Nachfolge ist rückläufig. Heute findet nur noch etwa jede zweite Nachfolge innerhalb der Familie statt. Die nächste Generation hat oft andere Pläne, andere Karrierewege, andere Lebensvorstellungen. Das ist kein Vorwurf. Es ist Realität.

Die klassischen Übernahmegründer sind seit Jahren rückläufig. Die Gründungskultur in Deutschland hat sich verändert, und nicht zum Vorteil des Mittelstands.

Und der Markt selbst? Er ist intransparent, fragmentiert, ineffizient. Die meisten Übergaben finden off-market statt, ohne funktionierenden Matching-Prozess. Angebot und Nachfrage finden nicht mehr zuverlässig zueinander. Selbst bei kerngesunden Unternehmen.

Was passiert, wenn Sie nichts tun

Vielleicht denken Sie: Ich warte ab. Mal sehen, was sich ergibt.

Das ist verständlich. Aber hier ist, was in solchen Fällen oft passiert:

Die Investitionen werden weniger. Warum jetzt noch Geld in die Hand nehmen, wenn ohnehin bald jemand anderes übernimmt? Maschinen werden älter, Software veraltet, Prozesse bleiben wie sie sind.

Die besten Leute werden nervös. Schlüsselmitarbeiter fragen sich, wie ihre Zukunft aussieht. Manche beginnen, sich umzuschauen. Der Abgang eines einzigen Leistungsträgers kann den Unternehmenswert erheblich senken.

Banken und Geschäftspartner werden vorsichtig. Ein Unternehmen ohne klare Nachfolgeperspektive ist ein Risiko. Kreditlinien werden hinterfragt, Verträge kürzer.

Der Wert Ihres Lebenswerks sinkt. Schleichend, oft unbemerkt, aber real.

Am Ende steht dann manchmal das, was niemand wollte: ein Notverkauf unter Zeitdruck oder die vollständige Schließung eines Betriebs, der eigentlich tragfähig gewesen wäre.

Was Nachfolge wirklich bedeutet

Nachfolge ist kein Ereignis. Sie ist ein Prozess. Und zwar der letzte große Führungsprozess Ihres Unternehmerlebens.

Sie umfasst Fragen, die weit über den Kaufvertrag hinausgehen: Wie positioniere ich mein Unternehmen, damit es auch ohne mich attraktiv ist? Welche Rolle will ich nach der Übergabe spielen, und welche nicht? Wie kommuniziere ich intern, ohne Unruhe zu stiften? Wie finde ich einen Käufer, der nicht nur zahlt, sondern auch führen kann?

Das sind keine Fragen für eine Checkliste. Das sind Fragen, die Zeit, Struktur und eine klare Strategie erfordern.

Dieser Prozess könnte mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme beginnen. Der Zeit- und Energie-Audit zeigt z.B., wo Sie anfangen sollten.

Drei Gedanken zum Mitnehmen

Erstens: Nachfolge ist keine Schwäche. Sie ist ein Zeichen von Verantwortung. Für Ihre Mitarbeiter, Ihre Kunden, Ihre Familie. Und für sich selbst. Das Unternehmen gut zu übergeben, ist genauso eine Leistung wie es aufzubauen.

Zweitens: Nachfolge ist ein Markt. So ungern man das hört: Am Ende entscheiden Preis, Timing und Nachfrage. Emotion ist verständlich, aber sie ersetzt keine Marktlogik. Wer das früh akzeptiert, hat bessere Karten.

Drittens: Die beste Zeit anzufangen war vor fünf Jahren. Die zweitbeste Zeit ist heute.

Warum Firecamp existiert

Firecamp ist entstanden aus der Überzeugung, dass Unternehmensnachfolge in Deutschland früher, strukturierter und realistischer angegangen werden muss.

Viele Unternehmer befassen sich erst sehr spät mit der Nachfolge – oft dann, wenn Zeitdruck entsteht und Optionen bereits eingeschränkt sind.

Firecamp versteht sich als unabhängige Plattform für Orientierung und Austausch.
Ein Ort, an dem Unternehmer ein realistisches Bild ihrer Situation bekommen können – ohne Verkaufsdruck, ohne versteckte Interessen.

Zum Abschluss

Unternehmensnachfolge beginnt selten mit einer klaren Entscheidung.
Meist beginnt sie mit der Erkenntnis, dass sich das Thema nicht von selbst erledigt.

Nicht alles muss sofort geklärt werden.
Aber Erfahrung zeigt: Wer früher beginnt, hat mehr Handlungsspielraum.

Wenn Sie Fragen haben, Orientierung suchen oder eigene Erfahrungen teilen möchten, sind Sie eingeladen, mit uns in den Austausch zu gehen.

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